24-h-Rennen Kelheim

Nachdem ich den Großteil meiner diesjährigen Saison dem Unterfangen #Riding4Europe gewidmet habe, stand am zweiten Juli Wochenende für mich das Highlight im Rennkalender – das 24-h-Rennen in Kelheim. Vor zwei Jahren habe ich dort das erste Mal teilgenommen und konnte einen guten vierten Platz ergattern. Mein Ziel in der Vorbereitung war es also dieses gute Ergebnis zu übertrumpfen….und so viel vorweg: ES HAT GEKLAPPT!

24-h-Rennen Kelheim

Meine Vorbereitung nach der letzten #Riding4Europe Tour lief nahezu perfekt. Ich habe gespürt, dass meine Grundlagenausdauer nach den vielen langen Touren dieses Jahr sehr gut ausgeprägt ist und habe mich entsprechend an die Tempoeinheiten gemacht. Eine gute Kombination aus Intervallen am Berg und Einheiten auf dem Triathlonrad im oberen GA2 Bereich standen daher im Fokus.

Entsprechend bin ich Samstag Mittag um 14 Uhr selbstbewusst mit dem Ziel an den Start gegangen mich von Beginn an in der vorderen Gruppe festzubeißen. Das Tempo in den ersten beiden Runden (Rundenlänge ca. 16,5 km) war mit 38 km/h enorm hoch, aber gut machbar, da ich auf der langen Geraden stets eine schnelle Gruppe an Teamfahren als Begleitung hatte und viel Zeit im Windschatten verbrachte. Dennoch ging der Puls hier mit 186 schon ein paar mal aus meinem grünen Bereich heraus. Das Timing am Berg war glaube ich dieses mal mit ein Schlüsselfaktor, um erfolgreich zu sein und eine schnelle Gruppe auf der Geraden zu erwischen. Denn das Wetter hat es nicht gut mit uns gemeint. Zwar waren die Temperaturen mit 16 Grad sehr angenehm, aber es gab wirklich einige heftige Wolkenbrüche.

Sodann konnte ich mich im vorderen Feld etablieren und fuhr relativ schnell auf Platz 5 vor. Dort verharrte ich dann einige Stunden bis der Kampf um das Treppchen am Abend bereits losging. In den ersten 7 Stunden konnte ich dank einer gut funktionierenden Ernährungsstrategie aus fester und flüssiger Nahrung und top Betreuung durch meine Crew (besten Dank an Eva, Ruben, Peter und Aschi!!!) nonstop durchfahren. Der erste Halt also um 21 Uhr. Ab dann ist verpflichtend mit Licht und Warnweste zu fahren und ich nutze die kurze Pause auch gleich noch, um die Armlinge anzuziehen.

Ab durch die Nacht

Zu Beginn der Nacht entfachte sich ein harter Kampf um Platz 2. Zumeist konnte ich am Berg den Abstand verringern, verlor allerdings bei der Abfahrt jedes Mal wieder wichtige Minuten. Irgendwann mitten in der Nacht dann die Durchsage der Crew, dass mein Verfolger länger pausiert hat und ich mich absetzen konnte. Ab dann galt es also den zweiten Platz zu verteidigen. Aber auch mir machten die Stunden im Sattel und das schnelle Tempo der ersten 10h zu schaffen (knapp 34 km/h Durchschnittsgeschwindigkeit). Entsprechend wurden auch meine Rundenzeiten immer länger und ich verlor leider etwas den Anschluss auf Platz 1. Hinzu kamen noch zwei kurze Stopps, um die Klamotten zu wechseln und den biologischen Bedürfnissen nachzukommen. Insgesamt musste ich vier kurze Pausen einlegen, welche in Summe 26 Minuten in Anspruch nahmen. Das war insbesondere ob der schlechten Wetterverhältnisse erstaunlich wenig und sogar noch unter meiner geplanten Pausenzeit von 30 Minuten.

Die letzten Stunden beginnen

Ab ca. 8 Uhr morgens kommt bei mir dann endlich die zweite Luft. Das Ende ist absehbar und jede Runde bringt einen spürbar näher ans Ziel. Hier kann ich mein Tempo wieder deutlich steigern. Zwischenzeitlich war mein Verfolger um Platz zwei auf kanpp 20 Minuten herangekommen. Aber in dieser Zeit kann ich den Abstand wieder gut halten bzw. am Ende noch weiter ausbauen. Am Ende heißt es also Platz 2, mit 44 Runden, 721km und knapp 7.000hm. Die gleiche Distanz wie bei meiner letzten Teilnahme, aber unter wesentlich härteren Bedingungen und entsprechend auch in der Platzierung weiter vorne.

Jetzt heißt es erstmal regenerieren und das geschundene Material pflegen. Nichtsdestotrotz laufen auch bereits die Planungen für die nächste #Riding4Europe Tour. Los gehts am 2. August. Wie immer um 9 Uhr morgens am Frankfurter Zoo. Diesmal wird die Tour etwas länger. Über Rostock geht es nach Dänemark, durch Hamburg, Leipzig und Dresden weiter nach Polen und von dort über Tschechien zurück nach Frankfurt. Streckenweise Mitfahrer sind wieder herzlich willkommen. Die genaue Strecke ist noch in Planung und folgt in den nächsten Tagen auf komoot.

Bis dann!

Stefan #barthsman #riding4europe

Bikingman Korsika

Short Facts

  • 700 km
  • 13.000 hm
  • 38 h 37 min

Bastia nach Ghisoni

Am Montag 29. April um 5 Uhr in der Früh begann für mich das erste Rennen der diesjährigen Saison. Der Bikingman auf Korsika. Ein Solo non-support Rennen, dass insbesondere durch sein Höhenprofil eine Herausforderung darstellt. Korsika hat wirklich nicht von ungefähr den Beinamen the Mountain in the sea. Wobei die Insel auch seinem weiteren Spitznamen Jewel Island alle Ehre gemacht hat.

Gestartet wurde an der Küste in Bastia. Knapp 80 Fahrer rauschen kurz vor der Morgendämmerung durch die noch menschenleere Stadt. Gleich zu Beginn sind am ersten Anstieg über 500hm zu überwinden, wodurch das Fahrerfeld gut auseinander gezogen wird und trotz Massenstart keine Gefahr des Draftings besteht. Bei milden Temperaturen an der Küste kommt man gleich ordentlich ins Schwitzen. Die ersten Kilometer verlangen einem einiges an Konzentration ab. Es geht über sehr kleine Strässchen mit teils sehr schlechtem Belag in die Berge. Immer mal wieder Schotter, Sand oder Kühe, Schweine und ähnliches auf dem Weg. Noch dazu im Dunkeln, daher halte ich mich insbesondere bei den Abfahrten zurück. Der richtige Rhythmus will sich dadurch aber nicht einstellen. Nach knapp 60km dann auch noch ein Platten mitten in der Abfahrt. Ich verliere den Anschluss an die vordere Gruppe und falle zurück. Die Zwangspause stellt sich rückblickend doch als gut heraus. Ich nutze die Zeit, um mich erstmal zu fokussieren und repariere in aller Ruhe das Rad. Daher werde ich währenddessen allerdings noch von einigen Radlern eingeholt.

Im Laufe der weiteren Kilometer komme ich jetzt endlich in meinen eigenen Tritt. Bis zum ersten Checkpoint in Ghisoni nach 180km und gut 4.000hm habe ich dann auch wieder den Anschluss gefunden. An den Anstiegen fühle ich mich gut. Und man kann sich immer mal wieder mit den anderen Fahrern kurz austauschen.

Ghisoni nach Ajaccio

Am ersten Checkpoint genehmige ich mir erstmal eine längere Pause. Zum Speicher auffüllen gibt es ein großes Stück Lasagne, eine Orangina und endlich das erste Käffchen des Tages. Mit meinen Pausenzeiten bin ich diesmal sehr zufrieden. Auch im Bikepacking Modus hat sich scheinbar die nötige Routine eingestellt. Zuerst das Navi aufladen, kurz lockern. Dann ist der Puls schon im Komfortbereich, wenn man etwas isst. Und als letztes kurz frisch machen und die Verpflegung für den nächsten Abschnitt sortieren. So geht es dann nach einer knappen Stunde weiter in den Nationalpark. Die Luft im Vorderrad ist etwas knapp, aber ein freundlicher WoMo Fahrer kann mir unterwegs mit einer Standpumpe aushelfen. Bei korsischen Strassenverhältnissen sind 6 Bar aber auch völlig ausreichend. Die nächsten 140 km bis zum CP 2 in Ajaccio geht es durch den Nationalpark. Einige Kilometer kann ich zusammen mit Xavier aus Belgien fahren, sodass die Zeit hier wie im Flug vergeht. Zwar scheint die Sonne, aber die Temperaturen steigen selten über 12 Grad. Abgesehen von ein paar Stündchen am frühen Nachmittag ist daher leider nichts mit kurz / kurz.

Ajaccio nach Monticello

Gegen 10 Uhr erreiche ich Ajaccio. Einige Fahrer, die ich bei meinem Platten verloren habe, sehe ich nun doch wieder. Das motiviert mich meine Pause etwas kürzer zu halten als angedacht. Auch hier gibts eine warme Mahlzeit vom Orga-Team, welche ich jedoch im weiteren Verlauf bereue. Viel zu salzig. So viel Wasser konnte ich auf den nächsten Kilometern gar nicht runterspülen. Ansonsten lief die Ernährung in der Nacht ziemlich gut. Hier griff ich ausschließlich auf Flüssignahrung zurück, da diese im Dunkeln auch wesentlich einfacher zu sich zu nehmen ist. Dazu etwas Iso mit Koffein, um der Müdigkeit vorzubeugen. Danke Jochen für den Tipp während unserer ersten Riding4Europe Tour. Nichtsdestotrotz soll es eine harte Nacht werden. Die Müdigkeit kann ich mit guter Musik zwar in den Griff kriegen, aber es wird dazu noch ziemlich kalt. Stellenweise sinkt das Thermometer bis auf 2 Grad. Zu allem Übel fängt dann noch meine linke Partella Sehne an zu schmerzen und ich muss meinen Fahrstil anpassen, um einer Überbelastung vorzubeugen. Entsprechend komme ich nur sehr schleppend voran. Es geht in einem konstanten Auf und Ab die Küste entlang. Die Meeresbrandung als treuer Begleiter. Leider kann ich die schöne Strecke im Dunkeln nicht wirklich genießen. Gegen vier Uhr morgens dann die erste Überraschung. Plötzlich steht am Straßenrand wieder Xavier, der in Ajaccio ca. 30 Minuten vor mir aufgebrochen ist. Ich bin also nicht der einzige, dem die Nacht zu schaffen macht. Im weiteren kann ich noch Jason einholen, der sich in einem nicht abgeschlossenen Camper ein paar Minuten aufwärmt. In der Morgendämmerung schließe ich dann noch zu Christof auf, mit dem ich bis Monticello weiterfahre und meine französisch Kenntnisse aufpoliere. Kurz vor Monticello können wir auch noch Deniz aus Russland überholen. Dem hat die Kälte übel zugesetzt, da er auf Korsika nur schönes Wetter erwartet und daher keine lange Radhose oder Beinlinge dabei hatte. Keine gute Idee. Da helfen auch mit Panzertape um die Beine gewickelte Müllbeutel nicht viel.

Monticello nach Bastia

Endlich steht der letzte Abschnitt an. Noch 180km mit „nur“ noch 2.600hm. Alles bei strahlendem Sonnenschein und endlich warmen Temperaturen. Frisch gestärkt und auch wieder top motiviert breche ich von CP 2 Richtung Ziel auf. Die leicht wellige Strecke an der Küste ist genau mein Ding und ich kann endlich auch mal längere Strecken auf den Aerobars fahren und somit andere Muskelgruppen belasten. Hände und Hintern danken es. So geht es also zügig Richtung Cap Corse – der nördlichen Spitze Korsikas. Hier ist die Landschaft wieder atemberaubend. Strahlend blaues Meer, steile Klippen und der bekannte schwarze Strand dieser Region.

Als plötzlich hinter mir laut der Ruf „Barthsman“ ertönt und Eva, Marie und David mir einen Besuch abstatten, ist die Motivation nach einer kurzen gemeinsamen Pause noch grösser. Das hilft dann auch die scheinbar endlosen Schleifen am Cap Corse zu überstehen. Aber an Tempo habe ich scheinbar doch eingebüßt. Vielleicht auch weil mein selbst gestecktes Ziel von 40h zu diesem Zeitpunkt nicht mehr in Gefahr war. Auf jeden Fall war ich etwas überrascht als plötzlich Deniz an mir vorbeifährt. An Konversation war dieser leider nicht interessiert und ich bekam nur eine mürrische Antwort „it’s a competition“. Aber na gut, dann ist’s halt ne competition. Am Ende konnte ich ihm fast 30min auf 60km abnehmen. Bei Xavier war das schon schwieriger. Dem hat seine Pause in der Nacht scheinbar sehr gut getan und er hat auf dem letzten Abschnitt einfach mal die viert schnellste Gesamtzeit hingelegt. Entsprechend schnell schoss er von hinten an mir vorbei. Da ich aber noch im Rennmodus war, hielt ich dagegen und konnte dran bleiben. Es folgen zwei weitere Attacken, aber absetzten funktioniert nicht. Also fahren Xavier und ich wieder ein Stück plaudernd nebeneinander her. Für uns beide steht fest, dass es auf jeden Fall keinen Sprint auf der Zielgeraden in Bastia geben soll. Ca. 20 km vor dem Ziel dann der entscheidende Angriff. Begonnen von Xavier, aber ich kann bei leichter Steigung noch einen drauflegen und setzte mich ab.

So wird es am Ende nach guten 38 Stunden Platz 12. Für das erste Rennen der Saison ein voller Erfolg. Und einfach wahnsinnig viele Eindrücke von einer traumhaften Insel gesammelt. Jetzt steht ein bisschen Erholung auf dem Plan und am 30. Mai geht es ja auch schon in die zweite Runde für Riding4Europe. Zusammen mit Roman und Matti geht es auf über 1.000km durch die Niederlande, Belgien, Luxemburg und Frankreich. Wie letztes Mal kann sich jeder gerne anschließen!

Tortour Sprint 2018

Short Facts

  • Distanz: 385 km
  • Höhenmeter: 3.660 hm
  • Zeit: 13 h 26 min
  • Durchschnitt: 28,6 km/h
  • Platzierung: 8.

Prolog

Das erste Highlight bevor die Rennen der Tortour überhaupt starten, ist sicherlich der Prolog. Gelegen am wunderschönen Rheinfall wird hier die Startreihenfolge bestimmt. In einem knapp 800 m langen Bergsprint treten die Fahrer gegeneinander an. Wer den Prolog gewinnt, startet als erster ins Rennen. Zwischen jedem Starter liegen dabei 30 Sekunden. Die Uhr startet, wenn der letzte Fahrer auf der Strecke ist, sodass man für jeden Platz den man weiter vorne startet eine Zeitgutschrift von 30 Sekunden hat. Bei knapp 60 Startern in der Sprintkategorie geht es also um maximal 30 Minuten. Mehr als genug Motivation auf der kurzen Distanz alles zu geben. Eine halbe Stunde im Rennen herauszufahren, ist zumindest auf den vorderen Platzierungen nahezu unmöglich. Bei bestem Wetter und einer grandiosen Kulisse lief der Prolog für mich ziemlich gut. Hierfür hatte ich extra das leichte Rennrad mitgenommen – das eigentliche Rennen bin ich auf dem TT gefahren. Am Ende konnte ich den 7. Startplatz ergattern und somit mit lediglich 3,5 Minuten Rückstand auf den ersten losdüsen.

Der Start

Für mich begann das Rennen als 7. Starter mitten in der Nacht. Startzeit 3:49 Uhr. Bedeutet also bereits kurz nach dem Schlafengehen wieder raus aus den Federn und ab zum Start. Wirklich erholt ist man hier nicht, sondern muss erst noch den Kreislauf wieder in Schwung bringen. Aber dafür sorgt schon das Adrenalin. Am Start noch die letzten Vorbereitungen am Bike – alle Lichter checken, Trinkflaschen vorbereiten – und noch einmal alles mental durchgehen. Meine Ausrüstung war bewusst sehr minimalistisch gewählt. Das Wetter versprach gut zu werden, sodass nur die Armlinge und eine dünne Windjacke mit mussten. Daher war genug Platz für Verpflegung. Ich hatte mich vorab für eine Kombination aus Flüssignahrung, Iso und ein paar Riegeln sowie Käse entschieden. Insgesamt genug für das gesamte Rennen. An den drei Verpflegungsstationen wollte ich jeweils nur sehr kurze Stopps zum Auffüllen der Trinkflaschen machen. Der Start ist ziemlich gut gemacht. Es wird von der Bühne aus über eine große Rampe gestartet. Für die Uhrzeit sind auch tatsächlich ziemlich viele Zuschauer da. Sobald die Halle verlassen wird, startet die Zeit. Los gehts!

Last Checkup

Das Rennen

Der erste Teil der Strecke entlang des Bodensees ist sehr flach. Daher hatte ich mich für das Triathlonrad entschieden und wollte von Anfang an ordentlich Gas geben. Also von Beginn an ordentlich Druck aufs Pedal. Die Temperaturen waren angenehm kühl und die Straßen menschenleer. Die ersten 110 km flog ich förmlich mit durchschnittlich 35 km/h über die Landstraßen. Leider funktionierte mein GPS-Tracker nicht, sodass ich meine eigene Position im Rennen nicht wusste. Aber zumindest von hinten kam niemand heran. Hin und wieder konnte ich überholen, aber im Dunkeln war nicht zu erkennen, ob es sich um Sprint-Teilnehmer oder um Fahrer anderer Kategorien handelte. Daher blieb mir nichts anderes übrig, als mein Ding durchzuziehen.

Im weiteren Rennverlauf geht es dann durchs Klöntal und rauf auf den Pragelpass. Die Sonne ist mittlerweile aufgegangen und knallt ordentlich. Die Checkpoints sind zum Teil etwas zu weit auseinander, um mit den Wasserflaschen auszukommen. Zum Glück gibt es in einigen Schweizer Dörfern kleine Brunnen zum Nachtanken. Am Pragelpass merke ich dann erstmals wie anstrengend die ersten 200km doch waren. Die steilen Kehren machen mir schwer zu schaffen. Hier wird das TT zum Nachteil. Ein kleines Kettenblatt mit 42 Zähnen ist dann doch ziemlich hart am Berg. Daher können auch die ersten zwei Fahrer an mir vorbeiziehen. Nach der Abfahrt – die auf Grund der extrem schmalen Straße und viel Gegenverkehr – wirklich alles andere als erholsam ist, kommt zum Glück erstmal wieder ein flacher Abschnitt. Daher kann ich die Verfolgung aufnehmen und zumindest einen Fahrer wieder einholen. Da wir beide nicht die Kraft haben uns abzusetzten, fahren wir ab jetzt weite Teile gemeinsam. Nach ca. acht einsamen Stunden ist es auch wirklich angenehm ein bisschen quatschen zu können. Die letzten Kilometer werden dann wieder sehr hügelig. Zwar kommen keine langen Anstiege, aber das permanente auf und ab wird auf Dauer wirklich sehr zermürbend. Ich entscheide mich also für die erste „längere“ Pause. Am letzten Checkpoint steige ich erstmals vom Rad und vertrete mir etwas die Beine. Dazu noch ordentlich Cola, eine kleine Suppe zum Auffüllen der Elektrolytspeicher und frisches Obst. Zwar verliere ich so meinen Mitstreiter, dafür kann ich wieder relativ erholt die letzten Kilometer antreten.

Done and dusted

Am Ende wird es also der 8. Platz in der Gesamtwertung. Mit meinem Tempo von fast 29 km/h auf dieser Strecke bin ich extrem zufrieden. Insgesamt ist es wirklich ein top organisiertes Rennen. Vom Check-In, über das eigentliche Rennen mit einer tollen Ausstattung der Checkpoints, dutzenden Motomarshalls auf der Strecke (die sehr zur Rennatmosphäre beitragen), bis zum Zieleinlauf. Dieser findet in der abgedunkelten Halle statt. Bei passender Musik fährt man über den roten Teppich die Rampe hinauf auf die Bühne. Gefolgt von einem kurzen Interview eines jeden Finishers. Da kommt nochmal Gänsehautfeeling auf. Definitiv ein Rennen, dass wiederholt wird!

Final Facts

Race Across Germany 2018

Short Facts

  • Start: Flensburg
  • Ziel: Garmisch-Partenkirchen
  • Distanz: 1.119 km
  • Höhenmeter: 7.844 hm
  • Zeit (brutto / netto): 52 h 01 min / 44 h 39 min

Start und der erste Tag

Vor dem Rennen hieß es erstmal an den Start nach Flensburg gelangen. Da ich in der Kategorie non-supported – also ohne Begleitcrew – gestartet bin, war die bequeme Anreise per PKW leider keine Option. Daher hieß es per Zug inklusive Bike von Frankfurt nach Flensburg anreisen. Im ICE ist leider keine Fahrradmitnahme möglich, daher ging für die Anreise tatsächlich ein ganzer Tag drauf. Zum Glück konnte ich dies noch mit einem kurzen Besuch der Verwandtschaft in Hamburg kombinieren. Donnerstag abends dann noch eine kurze Rennbesprechung und ein kleiner Rundgang durch den Flensburger Hafen. Bei schönstem Wetter eine gute Vorbereitung auf den Start. Noch einmal Runterkommen und die Gedanken sortieren. Am Freitag ging es dann los. Der Start war um halb 9 morgens. Auch hier wieder die Besonderheit des Fahrens ohne Crew – auch die knapp 5km vom Hotel bis zum Start müssen notgedrungen schon per bike überwunden werden. Aber so ist man am Start wenigstens schon eingefahren. Der Start sorgte dann bereits für die erste Komplikation. Mein Wahoo wollte die Strecke nicht so richtig laden, sodass ich am Anfang leichte Navigationsprobleme hatte. Da wir Starter aber im 2min Rhythmus auf die Strecke gingen, konnte ich getrost auf meinen ersten Verfolger warten und mich ihm anschließen bis die Technik ihren Dienst verrichtete. Morgens war die Luft noch angenehm kühl und der klare Himmel versprach bestes Wetter für den weiteren Rennverlauf. Entsprechend gut waren die Laune und das Tempo. Ein 30er Schnitt auf den ersten 300km spricht für sich. So konnte ich auf der ersten Hälfte des Tages regelmäßig wieder zu den Fahrern mit Begleit-Crew aufschließen was ziemlich motivierend war. Die notgedrungenen Stopps zur Selbstversorgung an Tankstellen und Co. warfen mich aber natürlich auch immer wieder nach hinten. Ich hatte vor dem Rennen für mich selbst festgelegt, dass mein erstes non-supported Rennen primär dem Lernen und Erfahrungen sammeln dienen soll. Insbesondere wollte ich eine neue Ernährungsstrategie ausprobieren, um solch ein Malheur wie beim Glocknerman zu vermeiden. Von daher konnte ich sehr entspannt fahren, da ich auf dem gesamten Weg durch Niedersachsen und Schleswig-Holstein konstant eine Stunde vor meinem selbst gesteckten Plan war.

kurz bevor es losgeht

Die erste Nacht

In den Abendstunden erreichte ich den Harz und das Rennen wurde langsam härter. Nicht nur die knapp 400km in den Beinen machten sich bemerkbar, auch die konstante Sonne während des Tages zeigte jetzt ihre Kehrseite auf. Der Wechsel von knapp 30 Grad tagsüber auf teilweise unter 10 Grad nachts in den Bergen machte meinem Körper schwer zu schaffen. Kombiniert mit der ohnehin eintretenden Erschöpfung kam mir der Temperatursturz wirklich extrem vor. Mir wollte einfach nicht mehr warm werden. So zog ich nach und nach alle Klamotten an, die ich dabei hatte (was mit Longsleeve, Beinlingen und Windjacke auch nicht sonderlich viel war). Aber auch das half nicht wirklich. Sondern führte nur dazu, dass ich bei jedem Anstieg ins Schwitzen und bei jeder kleinen Abfahrt ins Zittern kam. Der Einbruch der Morgendämmerung war daher ein echtes Highlight. Hier legte ich auch die erste längere Pause ein, um mich wieder aufzuwärmen und neue Kraft zu tanken. Also ein frischer Kaffee und Streuselkuchen beim gerade öffnenden Bäcker. Und dann der Start in den zweiten Tag.

Cockpit während des Rennens

Der zweite Tag

Auch am zweiten Tag wurden wir Fahrer mit strahlendem Sonnenschein beglückt. Bedeutete jedoch auch permanent anhalten zu müssen, um die drei am Rad befestigten Flaschen regelmäßig aufzufüllen. Zum Glück hatte ich jede Menge Salztabletten eingesteckt, sodass ich diese stündlich einnehmen konnte, um den Salzverlust auszugleichen. Gegen Mittag stellte sich bei mir erstmals der Motivationsverlust ein. Die durchfrorene erste Nacht machte mir immer noch zu schaffen. Im Nachhinein glaube ich aber, dass es eigentlich keine körperliche Erschöpfung, sondern Kopfsache war. Problematisch war für mich vor allem die Nähe zu meiner Geburtsstadt Fulda, welche teilweise schon auf den Straßenschildern ausgeschildert war. Somit war permanent eine zu diesem Zeitpunkt extrem verlockende Exit-Option vorhanden. Entgegen meiner normalen Gewohnheit mich auf das Ziel zu konzentrieren, beschäftigte ich mich zunehmend mit der Option das Rennen hier abzubrechen und spielte gedanklich die verschiedenen Möglichkeiten durch. Meine körperliche Erschöpfung konnte ich so natürlich nicht in den Griff bekommen. Also zog ich die Reißleine. Eine Pause zum Fokussieren musste her. Da die Sonne ohnehin erbarmungslos knallte, legte ich mich für einen 20minütigen Powernap in den Schatten, um danach meine Gedanken zu sortieren. Zwar konnte ich nicht wirklich schlafen, aber das Abschalten tat extrem gut. Anschließend schaute ich das erste Mal auf die Tracking App, um meine Position einschätzen und eine Entscheidung treffen zu können. Und siehe da…trotz der gefühlt langen Pausen stand ich sehr gut da. Der erste non-supported Fahrer war wie erwartet schon weit vorne, aber ich war an zweiter Stelle und das mit einem komfortablen Abstand von fast 100km. Und auch noch zwei Fahrer mit Crew waren hinter mir. Von da an war klar – aus so einer Position heraus kann man kein Rennen aufgeben nur weil der Kopf nicht mitspielt. Und siehe da, nach dieser Pause fand ich langsam zur alten Stärke zurück. Von nun an war die Heimatnähe ein echter Motivator, da ich die Berge rund um Kitzingen gut kenne. Erstaunlich was der Kopf alles ausmacht. Selbst eine Panne am Hinterrad konnte da die Stimmung nicht merklich trüben.

Die zweite Nacht

Da ich die zu Beginn des Rennens herausgefahrene Stunde Vorsprung auf meinen persönlichen Zeitplan die ganze Zeit über halten konnte, beschloss ich vor Einbruch der Dunkelheit am Samstag Abend erneut eine längere Pause einzulegen, um zu vermeiden dass die Erschöpfung mich nachts wieder zu sehr auskühlen lässt. Am schönen Mainufer bei Kitzingen gab es also eine ausgedehnte Pause inklusive Bad und das erste Mal ein komplett frisches Outfit. Gestärkt, ausgeruht und mit dem freshen Gefühl einer sauberen Buchse und Trikot ging es also in die zweite Nacht. Der Plan erwies sich als sehr gut. Die zweite Nacht verlief eigentlich ohne größere Probleme und mit solidem Tempo radelte ich gen Süden. Wenn man bereits 800km hinter sich hat, erscheinen die noch zu absolvierenden 300 paradoxerweise ziemlich wenig.

Der dritte Tag und Zielankunft

Die längere Pause vor Einbruch der Nacht zahlte sich rückblickend aus. Obwohl die Temperaturen von Samstag auf Sonntag auch wieder in den einstelligen Bereich fielen, hatte ich diesmal keine Probleme mit der Kälte. Bis in die frühen Morgenstunden liefen die Kilometer wirklich gut und es stellte sich immer mehr das Gefühl des Ankommens ein. Allerdings hatte ich mehr und mehr mit dem Schlafentzug zu kämpfen. Hier vermisste ich sehr mein Team, um mich hin und wieder abzulenken und wachzuhalten. Espresso und Kaffee en masse von der Tankstelle mussten dagegenhalten. Was allerdings nur bedingt half. Am Ende war es einfach das Gefühl das Ziel schon fast erreicht zu haben das mich die letzten 100km bis Garmisch getragen hat. Zur Mittagszeit dann die Zielankunft an der Skisprungschanze. Es ist geschafft. Einmal quer durch Deutschland – nonstop – und ohne fremde Hilfe. Ein unbeschreibliches Gefühl. Aus eigener Kraft seine gesamte Heimat zu durchqueren. Auf jeden Fall habe ich Blut geleckt und werde mich dem Abenteuer weiterer non-supported Rennen stellen.

Done and dusted

Glocknerman 2018 – Ultracycling Worldchampionships

Short Facts

  • Distanz: 1.000 km
  • Höhenmeter: 17.000 hm
  • Zeit: 50 h 9 min
  • Platzierung: 12. (2. Altersklasse unter 30)

Start und erster Tag

Vorab kann ich sagen, dass so ziemlich alles anders verlief als geplant und ich somit wirklich heil froh bin das Ziel erreicht zu haben. Der Start in Graz am Donnerstag Mittag verlief wie geplant. Das Los entschied über den Startplatz, sodass ich als 13. und somit im hinteren Mittelfeld eine angenehme Ausgangsposition hatte. Wie geplant, versuchte ich mich auf den ersten Kilometern bewusst zurück zu halten, um nicht dem Adrenalin und Geschwindigkeitsrausch zu verfallen. So weit so gut. Hierbei nicht bedacht, hatten mein Team und ich, dass dies auch eine deutlich geringere Kalorienzunahme mit sich bringt. Ich trank also fleißig meine Flüssignahrung und pumpte ohne Ende Iso ab. Das führte nach ca. 3h zum ersten Desaster. Mein Blutzucker war völlig durch die Decke gegangen und ich bekam Kreislauf- und Magenprobleme. Am ersten steilen Anstieg – der Soboth mit rund 1.200hm klettern – war ich zur ersten ungeplanten Rast gezwungen. Wir adjustierten ein wenig an der Ernährung – weniger Zucker und kleinere Portionen – aber ich fand nicht wirklich zu meinem Rhythmus zurück. Ich quälte mich die nächsten 150km die Straßen entlang und die Laune wurde langsam schlechter. Als nach Einbruch der Dunkelheit auch noch ein Gewitter aufzog und meine Magenprobleme sich zuspitzten, stand das Rennen kurzzeitig auf der Kippe. Kurz danach kam einer der Schlüsselmomente des Rennens. Mein Magen beschloss das Problem selbst zu lösen und es kam wie es kommen musste…..Ich war völlig am Ende. Hätte mir zu diesem Zeitpunkt jemand gesagt ich solle aufhören, hätte ich wahrscheinlich dankend angenommen. Aber meine Crew hat hervorragend reagiert. Kein einziges Wort vom Aufgeben, sondern reiner Pragmatismus und Durchhaltestärke. Also traf meine Crew die Entscheidung, dass ich weiterfahre und eine Stunde nur Wasser trinke, um hoffentlich einen Neustart hinzubekommen. Und siehe da, es hat funktioniert. Ab diesem Zeitpunkt stellten wir meine Ernährung vollkommen um. Keine Flüssignahrung mehr, sondern back to the roots – nur noch Kekse, Tucs, Cola. Und im weiteren Verlauf einfach alles wonach meinem Kopf der Sinn stand (von Milchschnitte bis Käsebrot). Für mich lief es ab da ganz gut. Mein Team war dafür umso mehr beschäftigt. Gar nicht so leicht nachts im ländlichen Österreich nahe der slowenischen Grenze noch was Essbares aufzutreiben.

Check-In am Vortag

Die erste Nacht

Die nächsten Stunden erhöhte ich also langsam das Tempo und fand in meinen Rhythmus zurück. In der Morgendämmerung der ersten Nacht gelang mir dann der Anschluss an das Feld. Zwischenzeitlich war ich leider deutlich als letzter abgeschlagen. Drei Überholmanöver im Dunkeln an sehr steilen Abschnitten (Hermagor) waren genau das richtige für den Kopf und trieben mich voran. Die Abfahrten waren dann wieder entsprechend herausfordernd für die Crew – ich glaube der Fahrer musste die StVO doch recht weit auslegen, um bei Spitzengeschwindigkeiten über 90km/h den Anschluss nicht zu verlieren.

Hinein in die Morgensonne

Der zweite Tag

Somit erreichte ich Freitag Mittag das zweite Mal die Timestation in Winklern am Fuße des Großglockner. Ab hier schoss das Adrenalin ein. Ich musste den Großglockner von beiden Seiten überwinden und spätestens um 22 Uhr wieder in Winklern sein, um nicht vom Rennen ausgeschlossen zu werden. In dem Moment für mich recht wenig Zeit für 140km mit fast 4.000hm. Aber die Motivation war enorm, sodass gefühlt zum ersten Mal ich derjenige war, der meinem Team einheizte. Entsprechend verlief der Anstieg überragend. Ich fühlte mich enorm stark und konnte mich fast um 2h gegenüber meiner Planung verbessern, sodass der Cutoff in keinerlei Gefahr war und ich bereits gegen 20 Uhr zurück war.

Checkpoint auf der Edelweißspitze

Die zweite Nacht

Die Hetzerei zollte jedoch auch seinen Tribut. Erschöpfung und Müdigkeit machten sich nach über 30h im Sattel breit. Daher die Entscheidung eine längere Pause einzulegen. Etwas Warmes zu essen und 90min zu schlafen. Der Schlaf tat ziemlich gut – aber führte bei mir auch zu großer Verwirrung. Als ich geweckt wurde, wusste ich so ziemlich gar nichts mit mir anzufangen. Also einfach losfahren. Das Zeitgefühl war ab jetzt aber völlig weg. Um 22:30 Uhr nach einem Nickerchen zu starten, fühlt sich sehr seltsam an. Zum Glück kamen nun erstmalig längere flache Passagen, sodass ich auf dem Triathlon-Rad und endlich auf einem anderen Sattel sitzen konnte. Das Tempo war dementsprechend gut. Lediglich die letzten 1-2h vor Sonnenaufgang waren wieder auf Grund meiner hohen Müdigkeit etwas kritisch. Hier half diesmal der iPod weiter.

Der dritte Tag und Zielankunft

Auch auf dem Rückweg hieß es erneut die Soboth zu bezwingen. Diesmal von der anderen Seite. Mit fast 900km in den Beinen leichter gesagt als getan, also nochmal alle Kräfte mobilisieren. Meine Crew wartete an jeder dritten Kehre, um mich nach vorne zu peitschen. Am Gipfel angekommen dann die Realisation, dass es fast geschafft ist. Noch 100km – nochmal auf das Triathlon Rad wechseln. Aber ab jetzt war das Tempo hoch. Jeder schnelle Kilometer bringt einen schließlich früher ans Ziel. Ab hier fährt das Pacecar die meiste Zeit direkt hinter mir und unser zweites Fahrzeug vorweg – da kommt nochmal richtig Rennatmosphäre auf. Nach gut 50h dann endlich die Zieleinfahrt in Graz. Ein unbeschreibliches Gefühl. Zwei Jahre habe ich mich auf dieses Rennen vorbereitet. Immer wieder stellt man sich im Training genau diesen Moment vor, um sich zu pushen. Wenn er dann endlich da ist, fühlt es sich irgendwie unwirklich an. Ich glaube erst jetzt realisiere ich langsam, was für eine Leistung das war. Meiner Crew geht es ähnlich. Wir alle haben den Aufwand und die emotionale Belastung während des Rennens etwas unterschätzt. Aber das schweißt zusammen. Jetzt kennt man sich noch besser – hat wirkliche Extremsituationen zusammen durchlebt und wir alle haben in gewisser Weise unsere Grenzen aufgezeigt bekommen. Von daher bin ich umso glücklicher, dass alle meine Betreuer beim nächsten Ultracycling Event wieder dabei sein wollen.