Riding4Europe DK-CZ-PL

Am Freitag den 2. August war es soweit. #Riding4Europe ging für dieses Jahr in die letzte Runde. Auf dem Plan stand als erstes Dänemark und nach einem kurzen Zwischenstopp im Anschluss unsere östlichen Nachbarländer Tschechien und Polen. Um 9 Uhr morgens startete ich gemeinsam mit Karsten, welcher mich bis Marburg begleitete, den Weg gen Norden. Da die Tour diesmal in meinen Urlaub fiel, bestand für mich kein sonderlicher Zeitdruck – außer eben mein persönlicher Anspruch. Daher fuhren wir recht gemütlich und genehmigten uns auch den ein oder anderen Zwischenstopp. Hierbei hatten wir ein geniales Timing und der einzige heftige Schauer des Tages lies uns ziemlich unberührt, da wir genau in dem Moment beim Bäcker einkehrten. Danach hieß es Abschied nehmen. Karsten fuhr per Bahn zurück nach FFM, für mich ging es weiter bis Göttingen. Da die Nacht äußerst regnerisch werden sollte, entschied ich mich für eine Hotelübernachtung in Göttingen. Am ersten Tag standen also nur knapp 230km zu buche. Da der Regen aber wie angekündigt am nächsten Morgen aufhörte, fuhr ich Samstag pünktlich um 6 Uhr morgens bereits weiter. Die morgendliche Stille bot die nötige Ruhe und wurde durch die in den Bergen festsitzenden Nebelschwaden noch verstärkt.

Nebel in Göttingen

Das Wetter am Samstag wurde im Laufe des Tages immer besser und meine Beine fühlten sich überragend an. Daher kam ich deutlich schneller als erwartet voran, sodass es plötzlich möglich schien, trotz des kurzen ersten Tages bis Sonntag die Strecke über Rostock und Dänemark bis Hamburg zu überwinden. Ich genoss die Zeit auf dem Bike, legte immer wieder ausgedehnte Verpflegungspausen ein und konnte richtig gut den Kopf freibekommen. So war ich gegen Abend bereits in Schwerin. Hier legte ich nochmals einen längeren Stopp ein, um meine weitere Strecke zu planen. Die letzte Fähre von Rostock nach Dänemark fuhr um 23 Uhr und ich hatte noch ca. 120km vor mir – und es war bereits nach 19 Uhr. Die Wette entschloss ich mich daher nicht einzugehen. Die früheste Fähre am Sonntag ging um 4 Uhr morgens. Also auch zu früh, um eine wirkliche Nachtpause zu rechtfertigen. Am Ende entschloss ich mich daher abends bis Rostock weiterzufahren, mich dort am Fährhafen kurz auszuruhen und ansonsten die gesamte Strecke bis Hamburg durchzufahren. Daher erreichte #Riding4Europe pünktlich am Sonntag Morgen 6 Uhr das dänische Festland!

Die ersten Stunden des Tages erwiesen sich im Anschluss als die härtesten der Tour. Ich brauchte eigentlich dringend einen Kaffee und was gescheites zum Frühstücken, nur leider gab es an der gesamten dänischen Küste bis zur nächsten Fähre um diese Uhrzeit keinen bereits geöffneten Laden. Daher hieß es Zähne zusammenbeißen und möglichst schnell die Fähre nach Fehmarn erwischen. Dort gab es dann endlich Kaffee und Gebäck. Zurück in Deutschland angekommen, ging es über Oldenburg und Plön gen Hamburg. Das Wetter war wieder herrlich nur die wirklich miserablen Radwege in Schleswig-Holstein und Niedersachsen waren nervig. Ich werde wohl nie ein Fan von separierten Radwegen werden. Der Zustand ist immer wesentlich schlechter als jener der Straße, in jeder Ortschaft ergibt sich das Problem, dass Fußgänger und Rennradfahrer sich einen Weg teilen sollen und Autofahrer scheinen es als Pflicht eines jeden Radfahrers zu empfinden dennoch jeden noch so kleinen Radweg zu nutzen. Alles in allem war es jedoch eine sehr gute Strecke und ich erreichte gegen 8 Uhr abends mein Ziel. Die ersten gut 900km konnte ich also innerhalb von drei Tagen bewältigen und damit unser nördlichstes Nachbarland abhaken. Den Montag gönnte ich mir als Ruhetag, bevor ich Dienstag den Weg nach Leipzig antrat, um von dort aus die Reise nach Tschechien und Polen fortzusetzten.

Von Leipzig ging es nun über Dresden nach Zittau zum Dreiländereck. Das Wetter war äußerst durchwachsen, sodass ich immer mal wieder ordentlich nass wurde. Meine ausgewählte Route war dafür umso schöner. Nahezu keine Hauptstraßen und daher auch kein Verkehr. Dennoch meist super Asphalt. Ausnahmen bestätigen natürlich die Regel, weshalb auch ein paar eher weniger Rennrad-geeignete Passagen dabei waren. Aber es ging zum Glück ohne Platten auch über alle Gravel-Passagen. Die Nacht verbrachte ich in Zittau wieder in einer Pension, da für die Nacht teils heftige Gewitter angekündigt waren. Am nächsten Morgen ging es dann durchs Dreiländereck kurz nach Polen und dann entlang der tschechischen Grenze weiter in Richtung Fulda als nächstes Etappenziel. Damit hatte ich alle neun Nachbarländer innerhalb von acht Radtagen erreicht. In Summe 2.551 km mit 24.611 hm und damit durchschnittlich knapp 320 km pro Tag.

Im weiteren Verlauf dann leider das bittere Ende für meine Tour. Zurück in Deutschland angelangt, wurde mein Bike samt kompletter Ausrüstung in Oberwiesenthal gestohlen, als ich kurz Verpflegung kaufen war. Das gute Gefühl die letzte Tour zu Hause in Frankfurt zu beenden, blieb mir daher leider verwehrt und ich musste mich abholen lassen.

Auch an dieser Stelle daher nochmals der Aufruf die Augen offen zu halten. Auffällig ist das Bike ja wenigstens.

https://www.tag24.de/nachrichten/oberwiesenthal-europa-radler-stefan-barth-fahrrad-bike-geklaut-diebe-tour-neun-laender-1164621

https://www.bild.de/regional/chemnitz/chemnitz-news/rad-klau-in-oberwiesenthal-europa-tour-nach-fiesem-diebstahl-beendet-63852856.bild.html

24-h-Rennen Kelheim

Nachdem ich den Großteil meiner diesjährigen Saison dem Unterfangen #Riding4Europe gewidmet habe, stand am zweiten Juli Wochenende für mich das Highlight im Rennkalender – das 24-h-Rennen in Kelheim. Vor zwei Jahren habe ich dort das erste Mal teilgenommen und konnte einen guten vierten Platz ergattern. Mein Ziel in der Vorbereitung war es also dieses gute Ergebnis zu übertrumpfen….und so viel vorweg: ES HAT GEKLAPPT!

24-h-Rennen Kelheim

Meine Vorbereitung nach der letzten #Riding4Europe Tour lief nahezu perfekt. Ich habe gespürt, dass meine Grundlagenausdauer nach den vielen langen Touren dieses Jahr sehr gut ausgeprägt ist und habe mich entsprechend an die Tempoeinheiten gemacht. Eine gute Kombination aus Intervallen am Berg und Einheiten auf dem Triathlonrad im oberen GA2 Bereich standen daher im Fokus.

Entsprechend bin ich Samstag Mittag um 14 Uhr selbstbewusst mit dem Ziel an den Start gegangen mich von Beginn an in der vorderen Gruppe festzubeißen. Das Tempo in den ersten beiden Runden (Rundenlänge ca. 16,5 km) war mit 38 km/h enorm hoch, aber gut machbar, da ich auf der langen Geraden stets eine schnelle Gruppe an Teamfahren als Begleitung hatte und viel Zeit im Windschatten verbrachte. Dennoch ging der Puls hier mit 186 schon ein paar mal aus meinem grünen Bereich heraus. Das Timing am Berg war glaube ich dieses mal mit ein Schlüsselfaktor, um erfolgreich zu sein und eine schnelle Gruppe auf der Geraden zu erwischen. Denn das Wetter hat es nicht gut mit uns gemeint. Zwar waren die Temperaturen mit 16 Grad sehr angenehm, aber es gab wirklich einige heftige Wolkenbrüche.

Sodann konnte ich mich im vorderen Feld etablieren und fuhr relativ schnell auf Platz 5 vor. Dort verharrte ich dann einige Stunden bis der Kampf um das Treppchen am Abend bereits losging. In den ersten 7 Stunden konnte ich dank einer gut funktionierenden Ernährungsstrategie aus fester und flüssiger Nahrung und top Betreuung durch meine Crew (besten Dank an Eva, Ruben, Peter und Aschi!!!) nonstop durchfahren. Der erste Halt also um 21 Uhr. Ab dann ist verpflichtend mit Licht und Warnweste zu fahren und ich nutze die kurze Pause auch gleich noch, um die Armlinge anzuziehen.

Ab durch die Nacht

Zu Beginn der Nacht entfachte sich ein harter Kampf um Platz 2. Zumeist konnte ich am Berg den Abstand verringern, verlor allerdings bei der Abfahrt jedes Mal wieder wichtige Minuten. Irgendwann mitten in der Nacht dann die Durchsage der Crew, dass mein Verfolger länger pausiert hat und ich mich absetzen konnte. Ab dann galt es also den zweiten Platz zu verteidigen. Aber auch mir machten die Stunden im Sattel und das schnelle Tempo der ersten 10h zu schaffen (knapp 34 km/h Durchschnittsgeschwindigkeit). Entsprechend wurden auch meine Rundenzeiten immer länger und ich verlor leider etwas den Anschluss auf Platz 1. Hinzu kamen noch zwei kurze Stopps, um die Klamotten zu wechseln und den biologischen Bedürfnissen nachzukommen. Insgesamt musste ich vier kurze Pausen einlegen, welche in Summe 26 Minuten in Anspruch nahmen. Das war insbesondere ob der schlechten Wetterverhältnisse erstaunlich wenig und sogar noch unter meiner geplanten Pausenzeit von 30 Minuten.

Die letzten Stunden beginnen

Ab ca. 8 Uhr morgens kommt bei mir dann endlich die zweite Luft. Das Ende ist absehbar und jede Runde bringt einen spürbar näher ans Ziel. Hier kann ich mein Tempo wieder deutlich steigern. Zwischenzeitlich war mein Verfolger um Platz zwei auf kanpp 20 Minuten herangekommen. Aber in dieser Zeit kann ich den Abstand wieder gut halten bzw. am Ende noch weiter ausbauen. Am Ende heißt es also Platz 2, mit 44 Runden, 721km und knapp 7.000hm. Die gleiche Distanz wie bei meiner letzten Teilnahme, aber unter wesentlich härteren Bedingungen und entsprechend auch in der Platzierung weiter vorne.

Jetzt heißt es erstmal regenerieren und das geschundene Material pflegen. Nichtsdestotrotz laufen auch bereits die Planungen für die nächste #Riding4Europe Tour. Los gehts am 2. August. Wie immer um 9 Uhr morgens am Frankfurter Zoo. Diesmal wird die Tour etwas länger. Über Rostock geht es nach Dänemark, durch Hamburg, Leipzig und Dresden weiter nach Polen und von dort über Tschechien zurück nach Frankfurt. Streckenweise Mitfahrer sind wieder herzlich willkommen. Die genaue Strecke ist noch in Planung und folgt in den nächsten Tagen auf komoot.

Bis dann!

Stefan #barthsman #riding4europe

Riding4Europe No2 NL-B-Lux-F

An Christihimmelfahrt ging Riding4Europe nun endlich in die zweite Runde. Diesmal Richtung Westen und bei deutlich angenehmeren Temperaturen als Ende März, als die Schweiz und Österreich beradelt wurden. Da meine Begleiter leider krankheits- bzw. studienbedingt ausgefallen sind, fuhr ich morgens halb 9 alleine in Frankfurt los. Erstes Etappenziel: Brüssel. Da ich hier eine Übernachtung geplant habe und ursprünglich von einem zügigen Tempo bei drei Fahrern ausgegangen bin, habe ich von Beginn an gut Gas gegeben, um wenigstens ein paar Stunden Nachtruhe zu bekommen. Wenn man die anstehenden Länder im Titel liest, gehen die meisten von einer entspannten und flachen Strecke aus – mich selbst zu Beginn der Planung eingeschlossen. Aber die deutschen Mittelgebirge darf man dann doch nicht unterschätzen. Mit Taunus, Westerwald und Eifel summieren sich die Höhenmeter bis zum Tagesende auf doch fast 4.000. Die Temperaturen sind angenehm, bei leicht bewölktem Himmel, sodass ich auch alleine ganz gut vorankomme. Gegen frühen Nachmittag erreiche ich daher bereits die Rheinfähre in Linz und es stellt sich langsam das Gefühl ein, dass die deutsche Landesgrenze nicht mehr allzuweit entfernt sein kann. Nach der Rheinüberquerung muss ich etwas improvisieren, da meine geplante Strecke leider auf eine für Radfahrer gesperrte Strecke führt. Also wechsel ich auf einen Radweg, der ziemlich bald leider nicht mehr asphaltiert ist. Es folgen ca. 10 km ungewollter Gravel. Aber zum Glück haben die Reifen mich hier nicht im Stich gelassen.

Weiter geht es dann Richtung Aachen, um im Anschluss ein paar Kilometer durch die Niederlande zu radeln. Am Abend kann ich daher die erste Grenze überqueren. Wobei ich den Übergang in die Niederlande ehrlich gesagt gar nicht bemerkt habe. Keine Grenzpfosten oder ähnliches hier im Dreiländereck anzutreffen. Richtig bewusst wird es mir deshalb erst als ich bereits am Ortsschild zu Maastricht stehe. Hier beschließe ich die erste große Pause einzulegen, da immer noch gut 140 km bis nach Brüssel auf dem Plan stehen. Wenn ich etwas in den letzten Ultras gelernt habe, dann dass ich extrem davon profitiere ausgeruht in die Nacht zu starten. Ansonsten macht sich bei mir der Temperatursturz regelmäßig extrem negativ bemerkbar. Auf den Straßen Maastrichts ist um die Uhrzeit noch einiges los und ich entschließe mich einen kleinen Schlenker durch die Innenstadt einzulegen, um dort zu pausieren.

Ausgeruht geht es weiter Richtung Belgien. Zwar ist die Strecke nun absolut flach und ich kann sehr angenehm fast durchgehend auf Radwegen fahren, aber gefühlt ging die Strecke hier wirklich ausschließlich schnurstracks geradeaus. Die letzten drei Stunden kommen mir daher schier endlos vor. Und die Uhrzeit tut das seine, wenn man eine erwartete Ankunftszeit von ca. 2-3 Uhr in der Nacht hat und am nächsten Tag noch ein paar Hundert Kilometer zurücklegen will. Ich bin daher ziemlich froh gegen halb 3 endlich in Brüssel anzukommen. Noch schnell ein kleiner Snack an der 24h-Tankstelle und ab zum einchecken ins Hotel. Wie erwartet bekomme ich noch ein paar schräge Blicke, aber ich bin viel zu müde, um noch groß zu erläutern. Ich merke wie mich das hohe Tempo tagsüber ausgelaugt hat und möchte einfach nur schlafen. Noch vor dem Schlafengehen treffe ich sodann auch bereits die Entscheidung nicht die ganze Strecke zurück bis Frankfurt zu radeln, sondern mich mit dem Erreichen aller westlichen Nachbarländer zu begnügen. Entsprechend stelle ich den Wecker erst auf 10 Uhr und schlafe mit dem guten Gefühl ein am morgigen Tag wenigstens halbwegs ausgeruht starten zu können.

Diese Entscheidung hat sich auch als absolut richtig herausgestellt. Am nächsten Tag fühle ich mich eigentlich ganz frisch – und was viel wichtiger ist – ich habe richtig Bock zu fahren 🙂 Zum Frühstück zwei Schokocroissants und der obligatorische Kaffee und ich bin ready to go. Ab jetzt geht es auf dem Track von Roman weiter Richtung Luxemburg und Frankreich. An der Stelle danke an Roman für die Planung. Der Track war super. Am Anfang zwar typisch belgisch – mit teils heftigem Kopfsteinpflaster, aber extrem wenig Verkehr und tolle Sträßchen. Mein Tempo jetzt deutlich unter dem gestrigen, aber mit der geänderten Route muss ich mich nun ja auch nicht beeilen. Ich genieße also die Tour und lege auch noch den ein oder anderen längeren Stopp ein. Wobei, allzu viele Pausen waren es am Ende wohl doch nicht. Die Bruttozeit beläuft sich am Ende inklusive der ausgiebigen Schlafpause in Brüssel auf knapp 46 Stunden (netto 31 h). Für 745 km voll in Ordnung.

Da ich auf Grund der ausgedehnten Schlafpause Freitag erst recht spät in Brüssel gestartet bin, wird die Nacht von Freitag auf Samstag dafür durchgefahren. So erreiche in kurz vor Mitternacht Luxemburg-Stadt. Hier mische ich mich am McDonalds am Marktplatz noch unter das Partyvolk 😉 Auch hier heißt es wieder Kraft für die Nacht tanken – und Kaffee. Aber die Temperaturen sind zum Glück sehr mild und bleiben die meiste Zeit sogar zweistellig. Erst gegen vier Uhr in der Früh sinken sie bis auf sechs Grad ab und ich muss noch ein Sweatshirt unter die Windjacke ziehen. Hinzu kommt hier noch der morgendliche Nebel, der dann doch in Kombination mit der eintretenden Müdigkeit unter die Knochen geht.

Kurz hinter Schengen folgt ein kleiner Abstecher nach Frankreich bevor ich gegen fünf Uhr morgens Saarbrücken erreiche. Von hier aus hatte ich beschlossen die Bahn zurück zu nehmen. Auch wenn es mir wirklich Leid tut auf das wunderschöne Straßbourg zu verzichten. Aber rückblickend war es die absolut richtige Entscheidung. 750 km auf zwei Tage verteilt waren anstrengend genug, aber noch nicht zu viel um einen Trainingseffekt zu zerstören. Die letzten 300 km können die Erholungsphase dann eben ziemlich überproportional in die Länge ziehen. So fühle ich mich jetzt, knapp drei Tage später, schon wieder ziemlich erholt und kann bereits mit den ersten ruhigen Einheiten starten. Ein Rennen steht schließlich doch noch an diese Saison…

In diesem Sinne freue ich mich jetzt auf eine intensive Vorbereitung auf das nächste Rennen, um im Anschluss die beiden letzten Riding4Europe Touren im August genießen zu können. Dann geht es zuerst nach Dänemark und im Anschluss nach Tschechien und Polen. #Riding4Europe

Bikingman Korsika

Short Facts

  • 700 km
  • 13.000 hm
  • 38 h 37 min

Bastia nach Ghisoni

Am Montag 29. April um 5 Uhr in der Früh begann für mich das erste Rennen der diesjährigen Saison. Der Bikingman auf Korsika. Ein Solo non-support Rennen, dass insbesondere durch sein Höhenprofil eine Herausforderung darstellt. Korsika hat wirklich nicht von ungefähr den Beinamen the Mountain in the sea. Wobei die Insel auch seinem weiteren Spitznamen Jewel Island alle Ehre gemacht hat.

Gestartet wurde an der Küste in Bastia. Knapp 80 Fahrer rauschen kurz vor der Morgendämmerung durch die noch menschenleere Stadt. Gleich zu Beginn sind am ersten Anstieg über 500hm zu überwinden, wodurch das Fahrerfeld gut auseinander gezogen wird und trotz Massenstart keine Gefahr des Draftings besteht. Bei milden Temperaturen an der Küste kommt man gleich ordentlich ins Schwitzen. Die ersten Kilometer verlangen einem einiges an Konzentration ab. Es geht über sehr kleine Strässchen mit teils sehr schlechtem Belag in die Berge. Immer mal wieder Schotter, Sand oder Kühe, Schweine und ähnliches auf dem Weg. Noch dazu im Dunkeln, daher halte ich mich insbesondere bei den Abfahrten zurück. Der richtige Rhythmus will sich dadurch aber nicht einstellen. Nach knapp 60km dann auch noch ein Platten mitten in der Abfahrt. Ich verliere den Anschluss an die vordere Gruppe und falle zurück. Die Zwangspause stellt sich rückblickend doch als gut heraus. Ich nutze die Zeit, um mich erstmal zu fokussieren und repariere in aller Ruhe das Rad. Daher werde ich währenddessen allerdings noch von einigen Radlern eingeholt.

Im Laufe der weiteren Kilometer komme ich jetzt endlich in meinen eigenen Tritt. Bis zum ersten Checkpoint in Ghisoni nach 180km und gut 4.000hm habe ich dann auch wieder den Anschluss gefunden. An den Anstiegen fühle ich mich gut. Und man kann sich immer mal wieder mit den anderen Fahrern kurz austauschen.

Ghisoni nach Ajaccio

Am ersten Checkpoint genehmige ich mir erstmal eine längere Pause. Zum Speicher auffüllen gibt es ein großes Stück Lasagne, eine Orangina und endlich das erste Käffchen des Tages. Mit meinen Pausenzeiten bin ich diesmal sehr zufrieden. Auch im Bikepacking Modus hat sich scheinbar die nötige Routine eingestellt. Zuerst das Navi aufladen, kurz lockern. Dann ist der Puls schon im Komfortbereich, wenn man etwas isst. Und als letztes kurz frisch machen und die Verpflegung für den nächsten Abschnitt sortieren. So geht es dann nach einer knappen Stunde weiter in den Nationalpark. Die Luft im Vorderrad ist etwas knapp, aber ein freundlicher WoMo Fahrer kann mir unterwegs mit einer Standpumpe aushelfen. Bei korsischen Strassenverhältnissen sind 6 Bar aber auch völlig ausreichend. Die nächsten 140 km bis zum CP 2 in Ajaccio geht es durch den Nationalpark. Einige Kilometer kann ich zusammen mit Xavier aus Belgien fahren, sodass die Zeit hier wie im Flug vergeht. Zwar scheint die Sonne, aber die Temperaturen steigen selten über 12 Grad. Abgesehen von ein paar Stündchen am frühen Nachmittag ist daher leider nichts mit kurz / kurz.

Ajaccio nach Monticello

Gegen 10 Uhr erreiche ich Ajaccio. Einige Fahrer, die ich bei meinem Platten verloren habe, sehe ich nun doch wieder. Das motiviert mich meine Pause etwas kürzer zu halten als angedacht. Auch hier gibts eine warme Mahlzeit vom Orga-Team, welche ich jedoch im weiteren Verlauf bereue. Viel zu salzig. So viel Wasser konnte ich auf den nächsten Kilometern gar nicht runterspülen. Ansonsten lief die Ernährung in der Nacht ziemlich gut. Hier griff ich ausschließlich auf Flüssignahrung zurück, da diese im Dunkeln auch wesentlich einfacher zu sich zu nehmen ist. Dazu etwas Iso mit Koffein, um der Müdigkeit vorzubeugen. Danke Jochen für den Tipp während unserer ersten Riding4Europe Tour. Nichtsdestotrotz soll es eine harte Nacht werden. Die Müdigkeit kann ich mit guter Musik zwar in den Griff kriegen, aber es wird dazu noch ziemlich kalt. Stellenweise sinkt das Thermometer bis auf 2 Grad. Zu allem Übel fängt dann noch meine linke Partella Sehne an zu schmerzen und ich muss meinen Fahrstil anpassen, um einer Überbelastung vorzubeugen. Entsprechend komme ich nur sehr schleppend voran. Es geht in einem konstanten Auf und Ab die Küste entlang. Die Meeresbrandung als treuer Begleiter. Leider kann ich die schöne Strecke im Dunkeln nicht wirklich genießen. Gegen vier Uhr morgens dann die erste Überraschung. Plötzlich steht am Straßenrand wieder Xavier, der in Ajaccio ca. 30 Minuten vor mir aufgebrochen ist. Ich bin also nicht der einzige, dem die Nacht zu schaffen macht. Im weiteren kann ich noch Jason einholen, der sich in einem nicht abgeschlossenen Camper ein paar Minuten aufwärmt. In der Morgendämmerung schließe ich dann noch zu Christof auf, mit dem ich bis Monticello weiterfahre und meine französisch Kenntnisse aufpoliere. Kurz vor Monticello können wir auch noch Deniz aus Russland überholen. Dem hat die Kälte übel zugesetzt, da er auf Korsika nur schönes Wetter erwartet und daher keine lange Radhose oder Beinlinge dabei hatte. Keine gute Idee. Da helfen auch mit Panzertape um die Beine gewickelte Müllbeutel nicht viel.

Monticello nach Bastia

Endlich steht der letzte Abschnitt an. Noch 180km mit „nur“ noch 2.600hm. Alles bei strahlendem Sonnenschein und endlich warmen Temperaturen. Frisch gestärkt und auch wieder top motiviert breche ich von CP 2 Richtung Ziel auf. Die leicht wellige Strecke an der Küste ist genau mein Ding und ich kann endlich auch mal längere Strecken auf den Aerobars fahren und somit andere Muskelgruppen belasten. Hände und Hintern danken es. So geht es also zügig Richtung Cap Corse – der nördlichen Spitze Korsikas. Hier ist die Landschaft wieder atemberaubend. Strahlend blaues Meer, steile Klippen und der bekannte schwarze Strand dieser Region.

Als plötzlich hinter mir laut der Ruf „Barthsman“ ertönt und Eva, Marie und David mir einen Besuch abstatten, ist die Motivation nach einer kurzen gemeinsamen Pause noch grösser. Das hilft dann auch die scheinbar endlosen Schleifen am Cap Corse zu überstehen. Aber an Tempo habe ich scheinbar doch eingebüßt. Vielleicht auch weil mein selbst gestecktes Ziel von 40h zu diesem Zeitpunkt nicht mehr in Gefahr war. Auf jeden Fall war ich etwas überrascht als plötzlich Deniz an mir vorbeifährt. An Konversation war dieser leider nicht interessiert und ich bekam nur eine mürrische Antwort „it’s a competition“. Aber na gut, dann ist’s halt ne competition. Am Ende konnte ich ihm fast 30min auf 60km abnehmen. Bei Xavier war das schon schwieriger. Dem hat seine Pause in der Nacht scheinbar sehr gut getan und er hat auf dem letzten Abschnitt einfach mal die viert schnellste Gesamtzeit hingelegt. Entsprechend schnell schoss er von hinten an mir vorbei. Da ich aber noch im Rennmodus war, hielt ich dagegen und konnte dran bleiben. Es folgen zwei weitere Attacken, aber absetzten funktioniert nicht. Also fahren Xavier und ich wieder ein Stück plaudernd nebeneinander her. Für uns beide steht fest, dass es auf jeden Fall keinen Sprint auf der Zielgeraden in Bastia geben soll. Ca. 20 km vor dem Ziel dann der entscheidende Angriff. Begonnen von Xavier, aber ich kann bei leichter Steigung noch einen drauflegen und setzte mich ab.

So wird es am Ende nach guten 38 Stunden Platz 12. Für das erste Rennen der Saison ein voller Erfolg. Und einfach wahnsinnig viele Eindrücke von einer traumhaften Insel gesammelt. Jetzt steht ein bisschen Erholung auf dem Plan und am 30. Mai geht es ja auch schon in die zweite Runde für Riding4Europe. Zusammen mit Roman und Matti geht es auf über 1.000km durch die Niederlande, Belgien, Luxemburg und Frankreich. Wie letztes Mal kann sich jeder gerne anschließen!

Riding4Europe No1 DE-CH-AT

Am Wochenende war es nun endlich soweit. Freitag um 9 Uhr starteten Jochen, Karsten und ich bei perfektem Frühlingswetter von Frankfurt aus die erste #Riding4Europe Tour. Unser Ziel der Bodensee inklusive Umrundung, um mit der Schweiz und Österreich die ersten beiden Anrainerstaaten zu erradeln. Zwar war der Beginn der Strecke durch das Rhein-Main Gebiet im Berufsverkehr relativ zäh, dafür konnten wir bereits vormittags in kurzer Hose fahren. Endlich mal wieder den Fahrtwind an den Beinen spüren für dieses Jahr. In Heidelberg hieß es dann Abschied von Karsten nehmen. Zu zweit ging es in flottem Tempo über wunderschöne Radwege und kleine Landstraßen gen Pforzheim.

Das Starterteam der ersten #Riding4Europe Tour

In Pforzheim haben wir dann die erste längere Pause gemacht. Lecker Kuchen und Espresso am Flussufer helfen doch sehr die Speicher wieder aufzufüllen. Auch mal angenehm eine Langstrecke nicht im Rennmodus zu fahren, sondern einfach zwischendurch mal die Sonne genießen und die Seele baumeln lassen. Weiter geht es Richtung Schwäbische Alb. Die Berge werden steiler und ich muss feststellen, dass ich meine Kettenblatt-Wahl für mein nächstes Rennen an den Steilküsten von Korsika doch noch mal überdenken sollte. Die paar Kilo extra Gepäck, die man bei solch einer langen Tour ohne Support dabei hat, machen sich eben doch spürbar bemerkbar. Neben den Anstiegen setzt uns insbesondere die Temperatur zu. Die Kehrseite des sonnigen Tages zeigt sich in einem sternenklaren Nachthimmel, der mit Temperaturen zum Teil unter dem Gefrierpunkt aufwartet. So erwarten uns auf knapp 900 m Höhe dann sogar noch die letzten Schneefelder am Straßenrand. Nichtsdestotrotz genieße ich die Ruhe und Einsamkeit der nächtlichen Fahrt.

Zum Glück haben wir gegen 10 Uhr abends doch noch einen Gasthof gefunden, der noch offen hat. Im ersten Moment haben wir für ziemlichen Unglauben gesorgt, als wir im Dunkeln in voller Radmontur in das beschauliche Restaurant hineinspaziert sind. Nachdem wir die Bedienungen dann doch überzeugen konnten, dass wir tatsächlich von Frankfurt zum Bodensee radeln, haben wir dafür den Extra Service bekommen. Die Küche wurde extra für uns noch mal aufgemacht, sodass wir sogar noch etwas warmes zu Essen bekommen haben. Zum Glück muss man rückblickend sagen. Denn die Nacht war trotzdem hart genug.

Auf den nächsten gut 200 km setzt uns die Kälte dann wirklich ordentlich zu. Einzig eine Tankstelle hatte in der Nacht geöffnet, sodass wir wenigstens einmal die Hände und Füße aufwärmen und eine Kleinigkeit zu Essen kaufen konnten. Ansonsten hieß es Augen zu und durch. Am Ende hatten wir dann wirklich alles an Stoff an, was die Packtaschen hergaben. Inklusive Armlinge über dem Longsleeve und unter der Jacke. Gegen kalte Hände und Füße hilft das bei 12 h um die null Grad leider auch nicht. Gegen drei Uhr in der Früh erreichen wir die Schweizer Grenze und somit das erste Highlight der Tour. Die Motivation geht nochmals deutlich nach oben. Denn mit Markus schließt sich uns ein weiterer Fahrer an. Respekt für das mitten in der Nacht aufstehen! Mit Markus waren somit alle Solo unsupported Finisher des letztjährigen Race Across Germany vereint. Diesmal aber in gemeinsamer Mission. Zu Dritt geht es dann also auf der Schweizer Seite am Bodensee entlang, bis Markus den Heimweg antreten muss, um morgens wieder an der Arbeit zu sein.

Die letzten Stunden bis zum Sonnenaufgang erweisen sich schließlich als die härtesten der Tour. Die Extremitäten waren mittlerweile vollkommen blutleer. Jetzt weiß ich wieder weshalb ich sonst bei diesen Temperaturen lieber auf der Rolle schwitze. Als um 6 Uhr der erste Supermarkt öffnet, nutzen wir die Gelegenheit uns nochmals aufzuwärmen. Also erstmal 30 min durch die Gänge des kleinen Marktes spazieren und ein bisschen Schoki naschen. Belohnt wurden wir dafür im Anschluss mit einem wunderschönen Sonnenaufgang über dem Bodensee.

Kurz nach Sonnenaufgang erreichen wir dann die nächste Grenze und fahren nach Österreich. Hier wartet bereits Amadeus auf uns und beglückt uns mit frisch gebrühtem Kaffee und Tee sowie belegten Brötchen. Wirklich das perfekte Frühstück in der Situation und die Sonne entwickelt langsam auch wieder genug Kraft um zu wärmen.

Amadeus begleitet uns anschließend auf seinem – wie er es nennt – ulkigen Gefährt die letzten 80 km bis nach Überlingen. Respekt, dass Du trotz des Gewichts des Lastenrads unser Tempo mitgegangen bist. Du solltest wirklich überlegen wieder ein Rennrad anzuschaffen 😉

In Überlingen angekommen, bin ich froh die erste Tour erfolgreich überstanden zu haben. Bei einem zweiten Frühstück bei meiner Schwester und Familie können wir die Tour gemeinsam beenden. An dieser Stelle ein ganz großes Dankeschön an Alle, die mich begleitet haben! Es war ein voller Erfolg und ich freue mich schon jetzt die nächste #Riding4Europe Tour zu planen. Am 30. Mai geht es von Frankfurt in die Niederlande, Belgien, Luxemburg und Frankreich. Auch hier hoffe ich wieder auf nette Begleitung. Bis dann!

New Kit Day

Nur noch zwei Wochen bis zur ersten #riding4europe Tour. Und pünktlich kamen die neuen Trikots. Jetzt kann’s also losgehen. Bis zum 29. März! Start 9 Uhr am Frankfurter Zoo.